Flachsfest
Was ist Flachs und was macht man damit?
Eine uralte und fast vergessene Kulturpflanze wurde im Edemisser Zehntspeicher neu entdeckt. Zum Flachsfest, dem Abschluss des Projekts „1qm Lein“, hatte der Heimat- und Archivverein Edemissen e.V. zu einem großen Mitmachfest eingeladen. Stundenlang waren die im Speicher lange nur gelagerten Flachsbearbeitungsgeräte von wissbegierigen Gästen umlagert. Der von Vereinsmitgliedern in diesem Jahr geerntete Flachs war bereits gerottet worden und nun bereit zum Brechen, Schwingen und Hecheln. Bei diesen drei Arbeitsschritten wurden tatkräftige Helfer gebraucht und mit Kaffee und Butterkuchen erfolgreich angelockt. Dabei auch viele neue Besucher, die das Heimatmuseum Zehntspeicher noch nicht kannten und von Reinhard Bartels und Jürgen Wagner über die Ausstellung informiert wurden.
Die Gäste hatten viele Fragen und wurden von den Vereinsmitgliedern Werner Heise, Heinrich Hennigs, Silke und Joachim Freund über die Flachserzeugung und Bearbeitung umfassend informiert. Doch man merkte schnell, dass das eigene Tun, das Ausprobieren der Arbeitsschritte erst ermöglichte, die Arbeit unserer Vorfahren zur Erzeugung ihrer Leinenkleidung wertzuschätzen.
Um einen Strang spinnfertiger Flachsfasern zu erzeugen, mussten die Gäste zunächst ein Bund des gerotteten und getrockneten Flachses mit der Flachsbreche gründlich brechen, um die holzigen Teile der Stängel aufzubrechen. Beim Schwingen am Schwingstock wurden dann die holzigen Schäben von den Bastfasern gelöst. Mit der Hechel wurde das Bündel dann ordentlich „durchgehechelt“, um die letzten Schäben zu entfernen und die langen Flachsfasern in einen gut gekämmten Zopf zu verwandeln. Viele Gäste hatten das Erfolgserlebnis eines blonden Zopfes in der Hand und nebenbei einen gehörigen Respekt für die früher alltägliche Handarbeit unserer bäuerlichen Vorfahren.
Erstaunlicherweise war es nicht selbstverständlich, dass es sich bei dem bei der Ernte gewonnenen Saatgut des Flachses um Leinsamen handelt. Mit einer von Joachim Freund selbst gebauten Mühle wurden die Flachskapseln aufgebrochen und mit Hilfe von Gudrun Marcus die Spreu vom Leinsamen getrennt.
Als fast letzter Arbeitsschritt wurde von Silke Freund auch das Spinnen des gerade gekämmten Flachses vorgeführt und von den Gästen fasziniert beobachtet. Das Weben des Flachsgarns ist der letzte Schritt auf dem Weg zum Leinenstoff und der große Webstuhl aus dem Peiner Kreismuseum ist inzwischen neu bespannt und wartet auf die fleißigen WeberInnen.
Fotoserien
Flachsfest 2026 (SO, 11. Oktober 2026)





Selbstversuch vor der Ankunft der Gäste: Bettina Samzow, Kirsten Josel, Alexandra Forndran, Silke Freund, Joachim Freund und Heinrich Hennigs beobachten die ersten Versuche von Werner Heise an der Hechel (Foto: Silke Freund)
Flachs brechen (Foto: Silke Freund)
Gudrun Markus beim Dreschen von Leinsaat (Foto: Silke Freund)
Werner Heise beim Flachshecheln (Foto: Silke Freund)
Werner Heise beim Flachsschwingen (Foto: Silke Freund)






